Shelly Power Strip 4 Gen4 im Test – Smart-Home-Steckdosenleiste mit Matter, Zigbee und MQTT

Die neue Shelly Power Strip 4 Gen4 bringt frischen Wind in den Smart-Home-Markt: Vier Schuko-Steckdosen, jede einzeln schaltbar und mit Energiemessung versehen, dazu Matter Unterstützung, Zigbee-Repeater-Funktion und natürlich die bekannte Shelly-App. Klingt fast nach eierlegender Wollmilchsau – aber wie schlägt sich die Leiste im Alltag?

Shelly Power Strip 4 Gen4 mit zwei eingesteckten Geräten, LED-Ringe in grün leuchtend.

Einrichtung & Protokolle

  • Shelly App: Egal ob Zigbee oder Matter – die Einrichtung verlief schnell und problemlos. Einziger Haken: Nach einem Protokoll-Wechsel zeigte die App das Gerät als offline und beim erneuten Hinzufügen meldete sie teils „bereits mit anderem Konto verknüpft“ oder „kein anerkanntes Shelly Gerät“. Erst ein Neustart der App und erneutes hinzufügen brachte Abhilfe.
  • Matter über Alexa-App: QR-Code scannen, den Anweisungen folgen – einfacher geht es nicht. Jede Steckdose wird als eigenes Gerät erkannt, zusätzlich die gesamte Leiste als „Master“. Besonders komfortabel: Nach Rückkehr von Zigbee zurück zu Matter blieb die Alexa-Einbindung bestehen. Leider wird in der Alexa-App kein Verbrauch angezeigt.
  • Firmwarewechsel Zigbee: Vorwarnung: „After switching the firmware, all settings will be reset except for the Wi-Fi configuration.“ Praktisch bedeutet das: Vorher entscheiden, welches Protokoll man dauerhaft nutzen möchte. Irritierend: Nach dem Wechsel blieb die Meldung „Connecting to Shelly“ stehen – Ursache war eine neue IP, die Oberfläche hat hier kein Timeout. Es heißt also, trotzt Meldung, prüfen ob der Strip nicht doch eine neue IP bekommen hat.
  • zigbee2mqtt: Aktuell ist der Strip noch nicht vollständig unterstützt (Energiemessung fehlt), aber Schalten einzelner Kanäle funktioniert bereits. Nach Problemen mit dem Status „joined“ half nur Neu-Einbindung per App über Bluetooth – später erkannte zigbee2mqtt den Strip wieder korrekt.

MQTT & ioBroker

  • ioBroker Shelly-Adapter: Fehlermeldung im Log trotz unveränderter Client-ID – hier fehlt noch Support für den Power Strip.
  • Generischer MQTT-Adapter: Verbindung möglich, Daten kamen als JSON-Blob an. Ein direktes Schalten über JSON funktionierte jedoch nicht. Fazit: Für den MQTT-Einsatz ist es aktuell noch zu früh.
  • Es gibt einen Fork der den Strip rudimentär unterstützt, dieser befindet sich allerdings im Alpha Stadium. https://github.com/MeisterQ/ioBroker.shelly

Funktionen & Bedienung

  • Physische Taster: Zum Glück echte Drucktaster statt Touch-Sensoren – zuverlässig und haptisch angenehm. Über Taster 1+4 lässt sich per Druckdauer auch ein Selbsttest, Reboot oder Werksreset starten, jeweils mit optischem Feedback durch LED-Blinkmuster.
  • LED-Ring: Praktisch als Last-Indikator – ohne Last grün, ab ~2,1 kW gelb/orange, ab ~2,5 kW rot. Bei Überlast schaltet die Steckdose ab, die App zeigt „Überstrom“. Danach lässt sie sich problemlos wieder einschalten.
  • LED-Anpassungen: Nachtmodus (LEDs aus in einstellbarem Zeitfenster) und einstellbare Grundhelligkeit. Farbanzeige ist global für alle Steckdosen – in der Werbung wirkte es individueller, tatsächlich ist es ein Shared-Setting.
Shelly Power Strip 4 Gen4 mit farbigen LED-Ringen in blau und rot.

Sicherheit & Schutzfunktionen

  • Schutzfunktionen in der App: Maximaler Leistungsschutz, Spannungsschutz und Stromschutz können individuell eingestellt werden – ideal für empfindliche Geräte.
  • Im Belastungstest blieb die Gehäusetemperatur mit rund 30 °C absolut unkritisch.
  • Die interne Überstromabschaltung funktionierte zuverlässig mit klarer Warnmeldung in der App.
  • Auffälligkeit: Der Power Strip erkennt fälschlicherweise Stromausfälle und setzt dann den unter „Output“ eingestellten Status. Abhilfe schaffte es, die Einstellung „Output settings“ auf „Restore last known state of output/relay“ zu setzen – damit ließ sich das Verhalten sogar umkehren, wenn zuvor „Turn OFF“ gewählt war. Da aber tatsächlich kein Stromausfall und keine Spannungsschwankung vorlagen, handelt es sich um einen klaren Bug. Eigentlich sollte diese Option nur das Verhalten nach echten Stromausfällen regeln.

Nachtrag:
Nach ein paar Tagen Dauerbetrieb hat sich das Problem auf mysteriöse Weise in Luft aufgelöst. Kein Firmware-Update, keine geänderte Einstellung, keine Opfergabe an die Smart-Home-Götter – und plötzlich läuft alles stabil. Offenbar hat die Leiste beschlossen, sich selbst zu reparieren oder einfach den Bug zu vergessen.

Nachtrag 2: Und es ist wieder da. Der Shelly Support will den Strip bei sich prüfen. Ich halte euch auf dem laufenden.

Thermografieaufnahme der Shelly Power Strip 4 Gen4 mit 22,9 Grad Celsius.

Design & Verarbeitung

  • Kompakt, optisch unauffällig – macht auch auf Tisch oder Regal eine gute Figur.
  • Rückseite mit Klebefläche und Wandhalterungen. Allerdings nur für horizontale Montage vorgesehen; eine Möglichkeit für vertikale Befestigung fehlt.
Rückseite der Shelly Power Strip 4 Gen4 mit Matter-Label und Wandhalterungen.

Messungen & Auffälligkeiten

  • Energiemessung pro Steckdose verfügbar. Ein leichter Spannungsabfall von Steckdose 1 zu Steckdose 4 (< 1 V) wurde festgestellt, im normalen Betrieb irrelevant.
  • Abweichungen der Messwerte zwischen den Steckdosen sind gering und im Alltag ohne Bedeutung.

Update: Eigenverbrauchsmessung

Inzwischen wurde auch der Eigenverbrauch der Shelly Power Strip 4 Gen4 gemessen. Alle Werte wurden ohne angeschlossene Verbraucher aufgenommen.

Mit deaktivierten LED-Ringen:

  • Alle Steckdosen aus: 0,7 W
  • 1 Steckdose an: 1,1 W
  • 2 Steckdosen an: 1,6 W
  • 3 Steckdosen an: 2,0 W
  • 4 Steckdosen an: 2,5 W

Mit aktiven LED-Ringen:

  • 1 Steckdose an: 1,2 W
  • 2 Steckdosen an: 1,8 W
  • 3 Steckdosen an: 2,3 W
  • 4 Steckdosen an: 2,8 W

Die Leuchtfarbe der LEDs hatte dabei keinen Einfluss auf den Verbrauch. Selbst bei allen aktiv geschalteten Steckdosen bleibt der Eigenverbrauch mit unter 3 Watt erfreulich gering.


Fazit

Für MQTT- und ioBroker-Integration ist es momentan noch zu früh – die Adapter brauchen Updates. Wer hingegen Matter oder die Shelly-App nutzt, erhält eine extrem vielseitige und hochwertig verarbeitete Smart-Home-Steckdosenleiste. Die Schutzfunktionen, Energiemessung und der LED-Lastindikator sind praxisnah umgesetzt.

Im Preisbereich um die 60 € liegt sie gleichauf mit vier einzelnen Zigbee-Steckdosen (z. B. von NOUS), bietet aber zusätzlich Matter und mehr. Damit ist die Shelly Power Strip 4 Gen4 aktuell die stärkste Lösung, die ich im Smart-Home-Bereich gesehen habe – und eine spannende Investition für alle Nerds, die mehr als nur simples Schalten wollen.


Noch mehr Shelly Zauber? Dann schaue dir auch meinen Beitrag „Shelly Direktverknüpfung“ an. Schau dir auch meinen Praxistest „Shelly 1PM Gen3 vs. Gen4“ an.

4 Gedanken zu „Shelly Power Strip 4 Gen4 im Test – Smart-Home-Steckdosenleiste mit Matter, Zigbee und MQTT“

  1. Danke für den Test.

    Schade, dass anscheinend gerade das Auslesen der Energiewerte bisher noch nicht vollständig funktioniert. Hier wäre gut, wenn du uns auf dem laufenden hälst.

    Wieviel Strom verbraucht die Steckdose selber? Im Aus Zustand und wenn sie Geräte geschaltet hat? ggf. mehr wenn alle Steckdosen auf An stehen?

    Antworten
    • Danke dir! 😊

      Ja, das mit den Energiewerten ist aktuell noch eingeschränkt – liegt wohl daran, dass der Strip im zigbee2mqtt-Herdsman noch nicht vollständig implementiert ist. Sobald das nachgereicht wird, teste ich das natürlich nach und ergänze den Beitrag.

      Den Eigenverbrauch messe ich ebenfalls noch separat – sowohl im Standby als auch mit mehreren aktiven Steckdosen. Das Ergebnis kommt dann als Update im Artikel. Ich bin selbst gespannt, ob sich der Unterschied bei vier aktiven Dosen bemerkbar macht.

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  2. Super – vielen Dank für deinen tollen Test – ich war auf der Suche danach, ob das Teil Wandmontage bietet – selbst Shelly erwähnt da nix von – nun weiss ich es 🙂

    Der Standby Verbrauch ist wie immer nicht ohne. Mich nervt es mittlerweile, 24 Stunden 250W in die Luft zu blasen für nix. Ich werde doch einiges zurück bauen in meinem Smarthome.

    Immerhin kann man hier mit einem Gerät 4 Dinge erschlagen was etwas helfen kann.

    Also weiter so!

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    • Danke dir für das Feedback, das freut mich wirklich sehr! 😊
      Gerade das mit der fehlenden Info zur Wandmontage hat mich selbst gewundert – umso besser, wenn der Test dir da konkret geholfen hat.

      Beim Standby-Verbrauch sprichst du einen echten Schmerzpunkt an. 250 W Dauerlast übers Jahr sind kein „Kleinkram“, das sind handfeste Kilowattstunden, die einfach nur still vor sich hin verdampfen. Smart Home ist leider nicht automatisch gleich Smart Energy. Deine Idee, bewusst zurückzubauen, ist daher absolut nachvollziehbar – manchmal ist weniger Technik tatsächlich die cleverere Technik.

      Der Power Strip hilft immerhin ein bisschen beim Konsolidieren: Vier Verbraucher in einem Gerät bündeln spart zumindest Netzteile, Funkmodule und Chaos. Die Physik bleibt trotzdem gnadenlos ehrlich. 😉

      Danke dir auf jeden Fall für den motivierenden Kommentar – genau für solche Rückmeldungen mache ich die Tests!

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