Shelly 1PM Gen3 vs. Gen4 – lohnt sich das Upgrade wirklich?

Zebra-Avatar hält Waage mit Shelly 1PM Gen3 und Gen4 im Vergleich

Der Vergleich zwischen Shelly 1PM Gen3 und Gen4 wirkt auf den ersten Blick simpel: neue Generation, neue Protokolle, also automatisch besser – oder? Genau das wollte ich nicht einfach glauben, sondern messen, ausprobieren und im Alltag testen. Das hier ist kein Datenblatt-Abgleich, sondern ein Praxisvergleich mit echten Messwerten, echten Problemen und ehrlichen Eindrücken.


Testaufbau & Rahmenbedingungen

Getestet wurden jeweils ein Shelly 1PM Gen3 und ein Shelly 1PM Gen4 unter identischen Bedingungen:

Ziel war es, Unterschiede nicht zu fühlen, sondern nachvollziehbar zu sehen.


Standby-Verbrauch – die stille Grundlast

Standby-Verbrauch ist die heimliche Steuer auf jedes Smart‑Home. Klingt nach Peanuts, summiert sich aber gnadenlos, wenn man nicht nur einen Shelly verbaut, sondern zehn, zwanzig oder irgendwann den Punkt erreicht, an dem man sich fragt, warum der Sicherungskasten eigentlich warm ist.

Shelly 1PM Gen3

  • WLAN aktiv, Bluetooth aus: 0,5 W
  • WLAN + Bluetooth: 0,6 W

Shelly 1PM Gen4

  • WLAN only: 0,6 W
  • WLAN + Bluetooth (Matter-Modus): 0,6 W
  • Zigbee-Modus: 0,6 W

➡️ Ergebnis: Kein Effizienz‑Level‑Up. Gen4 ist hier nicht sparsamer, sondern schlicht gleichauf.

Spannungs- und Frequenzmessung

QuelleSpannungFrequenz
Shelly Gen3235,5 V50 Hz
Shelly Gen4235,5 V49,95 Hz
Externes Messgerät236 V50 Hz

Die Abweichungen liegen im absolut normalen Bereich. Beide Generationen messen sauber und konsistent.


Leistungsaufnahme der Test-LED-Lampe – wer misst, misst Mist?

Der Klassiker: Drei Messstellen, drei leicht unterschiedliche Werte. Genau deshalb ist dieser Punkt spannend – und ehrlich gesagt auch der, an dem viele Tests einfach abbrechen.

Shelly 1PM Gen3

  • Shelly-Anzeige: 9,8 W (stabil wie ein Metronom)
  • Externes Messgerät: 10,3 W (inkl. ca. 0,5 W Eigenverbrauch)
  • Beobachtung: Das externe Messgerät driftet sichtbar, der Shelly bleibt stoisch gelassen

Shelly 1PM Gen4

  • zigbee2mqtt: 8 W
  • Shelly App: 9,4 W, pendelt sich von 9,6 W ein
  • Externes Messgerät: 10,2 W inkl. Shelly

➡️ Ergebnis: Die Messwerte sind plausibel, aber das verwendete Protokoll entscheidet, welche „Wahrheit“ man zu sehen bekommt.

Temperaturverhalten

Shelly 1PM Gen3

  • stabil bei ca. 34 °C
  • Wärmeschwerpunkt mittig im Gehäuse

Shelly 1PM Gen4

  • ca. 38 °C
  • ebenfalls zentraler Wärmeschwerpunkt

➡️ Ergebnis: Kein thermisches Problem bei beiden Geräten, Gen4 liegt leicht höher, aber völlig unkritisch.


Einrichtung & App-Erfahrung – hier trennt sich Nerd von Normalnutzer

Hier verlässt der Test den gemütlichen Messlabor‑Bereich und landet mitten im echten Alltag.

Gen3:

  • hinzufügen, fertig
  • keine Überraschungen
  • genau so, wie man es erwartet

Gen4:

  • Gerät wird sofort von App und Matter erkannt
  • Kopplung dauert… und dauert… und bricht ab
  • Konfiguration nur über den Access Point (192.168.33.1)
  • selbst nach bestehender WLAN‑Verbindung kein normales Hinzufügen
  • App springt immer wieder zurück zu „Raum wählen“
  • Firmware‑Update: keine Besserung

Ein Teil des Problems lag darin, dass das Smartphone noch im Shelly‑AP hing. Nach dem Wechsel ins Heimnetz war ein Hinzufügen per IP‑Scan möglich – technisch korrekt, nutzerseitig aber alles andere als elegant. Besonders pikant: Das gleiche Verhalten zeigte sich bereits beim Shelly Power Strip 4 Gen4.

➡️ Kurz gesagt: Die Hardware ist bereit für die Zukunft, die App stolpert noch darüber.

Matter & Zigbee – Licht und Schatten

Matter (Alexa):

  • nur Ein/Aus verfügbar
  • keine Verbrauchs- oder Leistungsanzeige

Zigbee (zigbee2mqtt):

  • Kopplung in ca. 3 Sekunden
  • sofort vollständig integriert
  • alle Leistungs- und Verbrauchswerte verfügbar

➡️ Die Hardware kann es – das Ökosystem entscheidet.


Preisvergleich – der oft übersehene Punkt

Preise direkt aus dem Shelly Shop (keine UVP, echte Verkaufspreise):

  • 1PM Gen3: 20,83 €
  • 1PM Gen4: 24,99 €

Klingt harmlos, wird aber schnell relevant:

  • bei 10 Geräten sind das fast 50 € Unterschied
  • Geld, das bei Gen3 fast zwei weitere Shellys ermöglicht

Amazon (Stand Testzeitpunkt):

➡️ Gen4 kostet hier fast das Doppelte.


Hardware & Verpackung

  • Gen3 und Gen4 sind exakt gleich groß
  • Unterschiede nur:
    • Aufdruck „Gen3 / Gen4″
    • andersfarbige Anschlussterminals

Die Gen4-Verpackung ist spürbar größer, obwohl das Gerät selbst identisch bleibt. Vermutlich kein technisches Upgrade, sondern ein Regal-Upgrade: aufhängbar, sichtbarer, handelsfreundlicher.

Shelly Gen3 und Gen4 im Vergleich – größere Verpackung bei gleicher Gerätegröße

Persönliches Fazit – nüchtern, ehrlich, ohne Marketingbrille

Wenn man Matter oder Zigbee nicht explizit benötigt, sehe ich aktuell keinen rationalen Grund, vom Shelly 1PM Gen3 auf Gen4 zu wechseln.

  • kein Vorteil beim Standby‑Verbrauch
  • keine messbar bessere Genauigkeit
  • leicht höhere Temperatur
  • deutlich höhere Kosten
  • spürbar schlechtere Ersteinrichtung

Gen4 ist kein schlechtes Gerät. Im Gegenteil: Mit Zigbee2MQTT zeigt es, was in ihm steckt. Aber im klassischen WLAN‑Shelly‑Setup fühlt sich Gen3 derzeit einfach runder, entspannter und erwachsener an.

Oder anders gesagt: Gen4 ist das sportliche Konzeptauto mit Zukunftstechnik – Gen3 der zuverlässige Daily Driver, der morgens einfach startet.


Wenn es um Zigbee geht, würde ich inzwischen zu Ubisys greifen. Die sind zwar teurer aber sind dafür perfekt daran angepasst inkl. sehr vielen Datenpunkten. Wie z.B. der Ubisys D1-R.

Zigbee, Z-Wave, WLAN, what MATTERs – Vor- und Nachteile der Smart-Home-Übertragungsprotokolle

Zebra-Avatar in Denkerpose mit Symbolen für Zigbee, Z-Wave, WLAN, Matter, ioBroker und Home Assistant – Smart-Home-Protokolle im Vergleich

Das Smart Home boomt – aber mit welchem Übertragungsprotokoll? Zigbee, Z-Wave, WLAN oder Matter: Jedes hat seine Stärken und Schwächen. Wer ein zuverlässiges, sicheres und zukunftssicheres Smart Home aufbauen möchte, sollte wissen, worauf er sich einlässt.


Zigbee – Der Platzhirsch im Smart Home

Zigbee ist eines der am weitesten verbreiteten Funkprotokolle für Smart-Home-Geräte. Es arbeitet im 2,4-GHz-ISM-Band, ähnlich wie WLAN und Bluetooth, und nutzt ein Mesh-Netzwerk: Netzstrombetriebene Geräte (z. B. Steckdosen) fungieren als Repeater, wodurch das Netz mit jedem neuen Gerät stabiler wird.

✅ Vorteile

  • Stabiles Mesh-Netzwerk: Je mehr Geräte, desto besser die Reichweite.
  • Sehr energieeffizient: Perfekt für batteriebetriebene Sensoren (Temperatur, Fensterkontakte).
  • Breite Gerätevielfalt: Von günstigen Tuya-Sensoren (bezahlter Link) bis zu hochwertigen Philips Hue Lampen (bezahlter Link).
  • Lokale Steuerung möglich: Mit Gateways wie Zigbee2MQTT völlig ohne Cloud.

❌ Nachteile

  • Kanalüberschneidungen mit WLAN:
    Zigbee nutzt Kanäle von 11 bis 26, die sich mit WLAN (2,4 GHz) überschneiden.
    • WLAN-Kanal 1 überlappt stark mit Zigbee-Kanal 11–15
    • WLAN-Kanal 6 überlappt mit Zigbee 16–20
    • WLAN-Kanal 11 überlappt mit Zigbee 21–24
      Lösung: Zigbee am besten auf Kanal 25 oder 26 setzen (weniger Störungen, aber kürzere Reichweite) und WLAN auf Kanal 1 oder 6 fixieren.
  • Viele Implementierungen: Tuya, Ikea, Hue – nicht immer voll kompatibel.
  • Gateway nötig: Ohne Zigbee-Bridge oder Stick geht es nicht.

📌 Tipp: Ein Sonoff Zigbee 3.0 USB Stick (bezahlter Link) in Kombination mit Zigbee2MQTT oder Home Assistant ist eine günstige und flexible Lösung.


Z-Wave – Der Profi für stabile Installationen

Z-Wave ist das Premium-Protokoll für smarte Gebäude. Es funkt im sub-GHz-Band (868 MHz in Europa), wodurch es kaum von WLAN, Zigbee oder Bluetooth gestört wird. Der Fokus liegt auf Zuverlässigkeit und Kompatibilität – ideal für eine dauerhafte Hausinstallation.

✅ Vorteile

  • Kaum Störungen: 868 MHz ist fast ungenutzt, dadurch sehr stabile Funkverbindungen – auch durch dicke Wände.
  • Profi-Mesh: Jeder netzbetriebene Aktor fungiert als Repeater. Mit 5–10 Aktoren hast du ein extrem stabiles Netz.
  • Strenge Zertifizierung: Geräte sind fast immer untereinander kompatibel – anders als bei Zigbee, wo Hersteller oft eigene Lösungen kochen.
  • Lokale Steuerung ohne Cloud: Z-Wave ist von Haus aus lokal, keine Server in China nötig.
  • Sinnvoll bei fest verbauten Aktoren: Vor allem bei Hutschienen-Aktoren oder Unterputzmodulen, die jahrelang zuverlässig laufen müssen.

❌ Nachteile

  • Teurer: Ein Z-Wave-Aktor kostet oft 2–3× mehr als ein Zigbee-Pendant.
  • Weniger Gerätevielfalt: Gerade bei günstigen Sensoren hinkt Z-Wave hinterher.
  • Langsamere Datenrate: Für Sensoren ideal, aber nicht für Video- oder Audioübertragung.
  • Gateway nötig: Auch Z-Wave braucht einen Stick oder Hub (z. B. Aeotec Z-Stick 7 (bezahlter Link)).

Shelly und Z-Wave – warum das Sinn macht

Shelly war bisher vor allem für WLAN-Relais bekannt, doch es gibt inzwischen Z-Wave-Modelle, und die machen gerade bei Hutschienen-Aktoren extrem Sinn:

  • Hohe Zuverlässigkeit: Ein Shelly Pro 1PM auf WLAN kann bei WLAN-Ausfällen Probleme machen, während ein Shelly Qubino Wave 1 über Z-Wave unabhängig vom Heimnetz stabil weiterarbeitet.
  • Kein WLAN-Gefrickel: In Schaltschränken ist der WLAN-Empfang oft schlecht – Z-Wave hat dank 868 MHz eine deutlich bessere Reichweite.
  • Ideal für sicherheitsrelevante Funktionen: Heizungssteuerung, Pumpen oder smarte Rollläden profitieren von der garantierten lokalen Z-Wave-Kommunikation.
  • Einfache Integration: Shelly Z-Wave-Geräte funktionieren problemlos in Z-Wave-Hubs wie Home Assistant, ioBroker oder Fibaro.

👉 Beispiel: Shelly Wave Pro 1PM (bezahlter Link) – ideal für Hutschienenmontage.


WLAN – Einfach, aber nicht immer smart

Viele günstige Geräte (z. B. Shelly-Relais (bezahlter Link) oder Tasmota-Module) setzen auf klassisches WLAN. Der Vorteil: Du brauchst kein zusätzliches Gateway.

✅ Vorteile

  • Keine zusätzliche Hardware: Direkt mit dem Router verbunden.
  • Hohe Bandbreite: Perfekt für Kameras oder Video-Türklingeln.
  • Viele DIY-Möglichkeiten: ESP8266/ESP32-basierte Module sind günstig und flashbar.

❌ Nachteile

  • Hoher Energieverbrauch: Batteriebetriebene Sensoren sind mit WLAN keine gute Idee.
  • Belastet dein Heimnetz: Viele WLAN-Geräte können billige Router an ihre Grenzen bringen.
  • Cloud-Pflicht bei Billig-Geräten: Viele günstige Hersteller speichern Daten in der Cloud – ein Risiko für Datenschutz und Stabilität.

Matter – Kein eigenes Funkprotokoll, aber der Zukunfts-Standard

Matter wird oft missverstanden: Es ist kein Funkprotokoll wie Zigbee oder Z-Wave, sondern ein gemeinsamer Applikations-Layer für Smart-Home-Geräte. Es läuft über bestehende Übertragungswege wie WLAN, Ethernet oder Thread (eine Zigbee-ähnliche Mesh-Technik).

✅ Vorteile

  • Herstellerübergreifend: Google, Apple, Amazon, Philips – alle ziehen (theoretisch) an einem Strang.
  • Lokale Steuerung: Matter setzt auf lokale Kommunikation statt auf Cloud-Zwang.
  • Zukunftssicher: Updates und Zertifizierungen sollen langfristig für stabile Kompatibilität sorgen.

❌ Nachteile

  • Noch jung: Viele Geräte sind noch buggy oder benötigen Firmware-Updates.
  • Nicht alles wird Matter: Alte Zigbee- und Z-Wave-Geräte lassen sich nur über Bridges einbinden.
  • Thread-Hardware nötig: Matter über Thread braucht neue Chips.

Mehr Infos findest du auf der offiziellen Matter-Seite.


Junger Zebra-Avatar spielt mit Bausteinen, auf denen Logos von Zigbee, Z-Wave, Matter, ioBroker und Home Assistant zu sehen sind

KNX und Loxone – Die Königsdisziplin für fest installierte Smart Homes

Wer sein Smart Home nicht nur nachrüsten, sondern professionell und dauerhaft installieren möchte, kommt an KNX und Loxone kaum vorbei. Beide Systeme setzen nicht auf Funk, sondern auf drahtgebundene Bus-Systeme – ideal für Neubauten oder größere Sanierungen.

✅ Vorteile

  • Maximale Zuverlässigkeit: Kabelgebundene Bus-Systeme sind immun gegen Funkstörungen.
  • Sehr lange Lebensdauer: KNX gilt als Industriestandard und läuft oft jahrzehntelang stabil.
  • Unabhängig vom Internet: Keine Cloud, keine Ausfälle durch Router-Probleme.
  • Unendliche Erweiterbarkeit: Besonders KNX ist extrem modular und unterstützt hunderte Hersteller.

❌ Nachteile

  • Teuer und komplex: Sowohl KNX als auch Loxone sind nichts für „Plug & Play“.
  • Planung notwendig: Perfekt für Neubauten, aber im Altbau oft aufwendig.
  • Weniger Bastelspaß: KNX ist hochstandardisiert, Loxone stark an eigene Hardware gebunden.

KNX oder Loxone?

  • KNX ist der offene Industriestandard mit enormer Gerätevielfalt und langer Historie.
  • Loxone ist eher ein komplettes System aus einer Hand, leichter zu konfigurieren, aber weniger flexibel.

👉 Wer ernsthaft baut oder saniert, sollte überlegen, eine KNX-Busleitung vorzusehen – selbst wenn sie erst Jahre später genutzt wird.


Fazit: Welches Protokoll passt zu dir?

  • Viele günstige Sensoren und Bastelprojekte? → Zigbee.
  • Stabile Profi-Installationen (z. B. Hutschiene, Rollläden)? → Z-Wave, vor allem mit Shelly-Qubino-Aktoren.
  • Einfaches Basteln ohne Gateway? → WLAN (aber am besten lokal mit MQTT).
  • Zukunftssicher und herstellerübergreifend? → Matter.

Am Ende gibt es kein „One fits all“. Die meisten Smart Homes sind Mischsysteme: Zigbee oder Z-Wave für Sensoren, WLAN für komplexe Geräte, Matter für neue Anschaffungen, KNX/Loxone für Neubauprojekte. Die eigentliche Magie entsteht aber erst durch Smart-Home-Zentralen wie ioBroker oder Home Assistant. Diese Systeme fungieren als Brücke zwischen den Protokollen und ermöglichen es, Zigbee-Lampen, Z-Wave-Rollläden, WLAN-Kameras und sogar KNX-Aktoren in einem einzigen Automatisierungssystem zu vereinen – inklusive komplexer Regeln, Dashboards und Cloud-freier Steuerung.