Manchmal stolpert man über Hardware, von der man nicht wusste, dass sie existiert – und noch weniger, dass man sie plötzlich dringend braucht. Dieser Beitrag ist genau so ein Fall und reiht sich ein in die Serie „Dinge, von denen ich nicht wusste, dass ich sie brauche“.
Alle PCIe‑Slots sind belegt. Der Kabelsalat wächst. Die Zahl der USB‑Geräte explodiert. Und irgendwo im Hintergrund wartet schon die nächste serielle Schnittstelle, die dringend angeschlossen werden will. Die klassische Nerd‑Frage also: Kann man einen einzelnen PCIe‑Slot vervielfältigen, ohne dass der Rechner in die Parallelwelt des BIOS‑Fegefeuers abbiegt?
Dieser Test ist genau das geworden, was er sein sollte: Ein ehrlicher Bastelversuch zwischen Elektrotechnik, leichtem Wahnsinn und der Hoffnung, dass PCIe am Ende doch toleranter ist als sein Ruf.
Getestet wurde nicht theoretisch, sondern mit echter Hardware, echten Risiken und echtem Stecker‑rein‑und‑hoffen‑auf‑POST‑Moment. Wer tiefer in die trockene Theorie eintauchen will, findet die offizielle technische Grundlage in der PCIe‑Spezifikation der PCI‑SIG – schwer verdaulich, aber elektronenrein.
Testhardware
Zum Einsatz kamen folgende Erweiterungskarten:
– KALEA‑INFORMATIQUE PCI Express RS232 Controller‑Karte mit 4 Ports (ASIX AX99100 Chipsatz) (bezahlter Link)
Vier ehrliche, bodenständige serielle Ports. Keine RGB‑Beleuchtung, keine Spielereien – pure Industrie‑Romantik.
– Yottamaster 7‑Port USB 3.0 Erweiterungskarte
Sieben USB‑Ports auf einmal. Für Mäuse, Sticks, Programmer, Debug‑Adapter und alles, was sonst so im Labor herumliegt.
Als Testplattform diente ein modernes Desktop‑System im Open‑Case‑Betrieb – also ohne Gehäusewände als Schutzschild gegen elektrische Fehlentscheidungen.
Test 1 – Mining‑Riser 1‑auf‑6 (bezahlter Link) + klassischer GPU‑Riser (bezahlter Link)
Aufbau:
Eine klassische PCIe‑1‑auf‑6‑Mining‑Riser‑Karte in Kombination mit einem PCIe‑Riser 16x‑auf‑1x mit USB‑Kabel und externer Stromversorgung. Genau so, wie es tausend Mining‑Rigs dieser Welt vormachen.
Ergebnis:
– Die COM‑Karte wurde erkannt
– Die USB‑Erweiterungskarte blieb unsichtbar
Interpretation:
Die schlichte COM‑Karte durfte durch. Die USB‑Karte dagegen wurde vom System behandelt wie ein Geist im Maschinenraum: physisch vorhanden, logisch einfach ignoriert. Der Aufbau ist eindeutig für GPUs gedacht – nicht für komplexere PCIe‑Controller.
Fazit dieses Tests: Bootfähig, aber als ernsthafte Erweiterungslösung nicht zu gebrauchen.
Test 2 – YBBOTT PCIe X1 → 4× PCIe X1 Multiplier (bezahlter Link)
Aufbau:
Ein kompakter PCIe‑Multiplier, der aus einem einzigen x1‑Slot gleich vier neue x1‑Slots erzeugt. Klein, unscheinbar, keine blinkenden LEDs – verdächtig seriös.
Ergebnis:
– COM‑Karte erkannt
– USB‑Erweiterung erkannt
– Datenübertragung auf USB‑Stick stabil und ohne Aussetzer
Interpretation:
Der Multiplier verhielt sich so, als hätte das Mainboard plötzlich echte zusätzliche Slots spendiert bekommen. Keine Zickereien, keine Fehlermeldungen, keine spontanen Disconnect‑Orgien. So mag man das.
Test 3 – KALEA‑INFORMATIQUE PCIe‑Splitter mit ASM1184e (bezahlter Link)
Aufbau:
Optisch nahezu identisch zum YBBOTT‑Multiplier, allerdings mit klar benanntem ASM1184e PCIe‑Switch‑Chipsatz – also echter Technik statt Marketing‑Zauberformel.
Ergebnis:
– COM‑Karte erkannt
– USB‑Erweiterung erkannt
– Datenübertragung stabil
Interpretation:
Der ASM1184e tut exakt das, was ein PCIe‑Switch tun soll: Er schaltet. Leise, unauffällig, zuverlässig. Keine Überraschungen, keine Experimente – einfach funktionierende Infrastruktur.
Mix‑&‑Match‑Test – Wenn zwei Welten kollidieren
Ziel:
Die YBBOTT‑Karte sieht im Open‑Case einfach besser aus. Der USB‑Anschluss ist jedoch ungünstig nach außen abgewinkelt. Die KALEA‑Karte führt ihren Anschluss sauber nach innen. Also lag der Gedanke nahe:
KALEA‑PCIe‑auf‑USB‑Adapter → YBBOTT‑Verteilerkarte
Ergebnis:
– Der Rechner hängt bereits während der USB‑Initialisierung im BIOS
Erklärung (mit zwei plausiblen Ursachen):
Erste Arbeitshypothese:
Die „USB‑Anschlüsse“ an Mining‑Risern sind keine echten USB‑Schnittstellen. Sie nutzen lediglich die Steckerform, um rohe PCIe‑Signale über ein günstiges Kabel zu schicken. Der KALEA‑Adapter hingegen arbeitet mit echtem USB‑Protokoll. Treffen diese Welten direkt aufeinander, endet das gerne im BIOS‑Freeze.
Zweite, inzwischen sehr wahrscheinliche Erklärung:
Obwohl die Platinen optisch nahezu identisch aussehen, könnte intern schlicht eine andere Belegung der Adern (Pinout) verwendet werden. In diesem Fall würden völlig korrekte elektrische Signale schlicht auf den falschen Leitungen ankommen – ein idealer Zustand, um jedes Initialisierungsverfahren zuverlässig aus dem Tritt zu bringen.
Welche der beiden Ursachen konkret greift, lässt sich ohne Durchklingeln der Leiterbahnen nicht eindeutig sagen. Das Ergebnis bleibt jedoch dasselbe:
Die Karten sind mechanisch kompatibel, aber elektrisch offensichtlich nicht mix‑tauglich.
Merksatz für die Bastelkiste:
Nur weil zwei Platinen gleich aussehen, müssen sie intern noch lange nicht gleich belegt sein.
Fazit
Der Test hat sehr klar gezeigt:
– Mining‑Riser sind für GPUs gebaut – nicht für saubere Port‑Erweiterung
– Echte PCIe‑Multiplier mit Switch‑Chipsatz funktionieren stabil
– Der ASM1184e‑Splitter von KALEA‑INFORMATIQUE (bezahlter Link) ist technisch sauber und alltagstauglich
Optisch ist die grüne Platine der KALEA‑Karte kein Design‑Highlight. Im Open‑Case wirkt sie wie ein Gruß aus der frühen 2000er‑Industrieelektronik. Doch manchmal muss man Prioritäten setzen:
Function over Form. Immer.
Für wen lohnt sich ein PCIe‑Splitter wirklich?
Ein PCIe‑Splitter ist ideal für:
– Homelabs mit zu wenigen Slots
– Automation, Steuerungen, serielle Geräte
– USB‑Overkill ohne zusätzliches Mainboard
Nicht ideal ist er für:
– GPUs
– NVMe‑RAIDs
– alles, was hohe Dauerbandbreite braucht
Schlusswort
Dieser Versuch gehört ganz klar in die Kategorie:
Dinge, von denen ich nicht wusste, dass ich sie brauche – bis ich sie hatte.
Ein funktionierender PCIe‑Splitter verwandelt einen scheinbar ausgereizten Rechner plötzlich wieder in eine vollwertige Bastel‑ und Erweiterungsplattform. Der ASM1184e‑Splitter bleibt dauerhaft im System. Die Mining‑Riser wandern zurück in die Bastelkiste – als optisch hübsche, technisch aber etwas chaotische Erinnerung daran, dass Elektronen keinen Humor haben, aber sehr wohl Prinzipien.
Passend dazu lohnt sich auch ein Blick auf den ersten Teil der Serie: Dinge, von denen ich nicht wusste, dass ich sie brauche – Folge 1: PoE USB Splitter
Hast du selbst schon absurde, unerwartet nützliche Technik gefunden? Dann schreib es in die Kommentare oder schick mir dein persönliches „Wusste‑nicht‑dass‑ich‑es‑brauche“-Gadget. Neue Folgen der Serie warten schon – und der Nerd‑Fundus hat bekanntlich kein Ende.

